Der Countdown läuft und wieso ich einen Buddha köpfte

In wenigen Tagen erscheint endlich mein erstes Buch! Je näher der Erscheinungstag rückt, umso nervöser werde ich. Wann werden die Bücher ankommen, wann kann ich mein Herzensprojekt, das mich so viele Jahre begleitet hat, endlich in den Händen halten? Ich habe mir diesen Moment schon so oft in Gedanken ausgemalt, aber so wirklich vorstellen kann ich es mir noch nicht.

Es ist jetzt bald ein Jahr her, dass ich mein Manuskript beim Neptun Verlag eingereicht habe und ein paar Wochen später in der Büchereule den Vertrag unterschrieben habe. Wenn ich an diese Momente zurückdenke, den Beginn dieses spannenden Weges, muss ich unwillkürlich lächeln. Einerseits fühlt es sich so an, als wäre es erst gestern gewesen; die Gefühle, die überschäumende Freude, der Weg durch die Altstadt bis zum Bahnhof, am Telefon nacheinander alle meine liebsten Menschen – alles ist noch so unglaublich präsent. Andererseits ist seither so viel passiert, so viel hat sich verändert, ich durfte so viel lernen. Und nun kann ich es kaum erwarten, bis meine Arbeit endlich in den Händen der Leserinnen und Leser landet und sie sich gemeinsam mit Noah und Edward auf diese 160seitige Reise begeben.

Eine Woche nach dem Erscheinungstermin steht meine Buchvernissage in der Bibliothek Bümpliz an. Ich war, so glaube ich, noch nie in meinem Leben so aufgeregt. Klar, ich bin mir das Reden vor Menschen eigentlich gewohnt, aber hier geht es für mich um etwas ganz Besonderes, etwas ganz Grosses. Ich bin seit Tagen daran, Textstellen auszuwählen, laut vorzulesen, mich selber aufzunehmen, nur um dann beim Zuhören in eine Krise zu verfallen, weil ich meine Stimme immer noch nicht wirklich mag. Ich bin wirklich, wirklich nervös.

Dabei kommt mir die Geschichte meiner Maturarbeitspräsentation in den Sinn. Ich hatte ein Portrait über eine buddhistische Zen-Nonne geschrieben und da mir das wissenschaftliche Arbeiten und Schreiben noch nie einfach fiel, war die Beurteilung der Arbeit nur mässig zufriedenstellend, um nicht zu sagen sehr enttäuschend. Ich nahm mir also vor, eine Präsentation sondergleichen abzuliefern, um meine Note aufzupolieren. Mein betreuender Lehrer, nennen wir ihn hier Herr D., hatte im Vorfeld ausdrücklich darauf hingewiesen, dass für ihn der Einstieg in die Präsentation am allerwichtigsten sei, er verabscheue langweilige 0815-Begrüssungen. Ich nahm mir diesen Hinweis sehr zu Herzen und liess mir etwas Besonderes einfallen. Für den Einstieg in meine Präsentation setzte ich mich im Lotus-Sitz in Meditationspose auf den Tisch, vor mir eine kleine Buddhastatue und eine Klangschale. Herr D. schien echt beeindruckt von dieser Komposition. Als es schliesslich ganz still war im Zimmer und ich die volle Aufmerksamkeit von allen hatte, wollte ich aufstehen und mit meiner Präsentation beginnen. Beim Aufstehen stellte ich mich allerdings etwas ungeschickt an und stiess mit einem Bein versehentlich gegen den Buddha – er fiel aber nicht einfach um, nein, ich hatte ihn sauber geköpft! Der Kopf fiel vom Tisch, kullerte auf dem Boden mit einem in meiner Erinnerung unglaublichen Lärm durchs ganze Zimmer bis vor die Füsse von Herrn D. und dem Experten, der neben ihm sass. Meine Familie, meine Kolleginnen, die beiden Herren, ja alle Anwesenden starrten mich an und hielten den Atem an. Für den Bruchteil einer Sekunde wollte ich einfach aus dem Zimmer rennen und mich vor Scham irgendwo verstecken. Doch dann – ich weiss bis heute nicht, wie ich es schaffte, nicht laut loszuheulen – stellte ich den kopflosen Buddha auf, räusperte mich und sagte: «Um Erleuchtung zu erlangen, braucht man den Kopf nicht» – und hielt den wohl besten Vortrag meines Lebens, der dann auch mit Bestnote beurteilt wurde. Herr D. meinte beim Schlussgespräch, meine beherzte Reaktion auf dieses Malheur habe ihn dermassen beeindruckt, dass er mir einfach eine Sechs geben müsse.

Ich werde also vor meiner Buchvernissage an diese Geschichte zurückdenken, das wird mir die Nervosität bestimmt etwas nehmen. Denn sie zeigt, dass aus jedem vermeintlichen Fehler etwas absolut Wunderbares entstehen kann, das garantiert allen in Erinnerung bleibt.

(Den Kopf des Buddhas konnte ich übrigens wieder anleimen.)

Antwort

  1. Avatar von reginahaussener

    Genauso bist du 🥰 immer hörst du auf dein Herz ❤️

    Ich erinnere mich gut, wie du diese Situation, als der Buddha kopflos fällt – „gerettet“ hast! Einfach sensationell!

    Ich bin soo stolz auf dich! Mam😘

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