Vom Schreiben und Leben

Die Bäume haben schon viele ihrer goldenen Blätter losgelassen und der kalte Novembernebel hat bereits Einzug gehalten.

Ich bin noch da..!

Es ist einige Zeit vergangen, seit ich meinen letzten Blogbeitrag gepostet habe. Es ist so viel passiert! Ich habe immer wieder mal einen Versuch gestartet, einen Beitrag zu schreiben, aber es wollte (oder ich konnte) einfach nicht schreiben. Dieser Zustand ist schwierig zu beschreiben. Es gibt manchmal Zeiten, da sitze ich vor meinem Bildschirm, der Cursor im Word blinkt mich erwartungsvoll an, beinahe ungeduldig, als würde er mich fragen «Na, also? Was denn nun? Was willst du sagen? Was hast du zu erzählen?». Und ich weiss es nicht. Es entsteht nichts. Das geht mir nicht nur bei Blogbeiträgen so, auch beim Schreiben eines Texts, eines Entwurfs für ein Manuskript gibt es diese Phasen. Als hätte ich die Sprache verlernt, mit der ich mich sonst ausdrücke, als wäre die Leitung zwischen Herz, Kopf und Händen unterbrochen. Das macht aber nichts, weil ich mittlerweile weiss, was ich machen muss, um diese Leere zu überwinden. Aufhören zu schreiben. Und einfach leben. Ohne nachzudenken, ohne versuchen zu wollen, etwas in Worte zu fassen. Einfach da sein, präsent in allem, was ich tue. Den Herbstwald sehen. Die Zimtschnecken riechen. Das Rascheln des Laubes hören. Alles fühlen. Und dann, irgendwann, ganz unscheinbar und ohne grosses Tamtam, kommt der Moment wo ich meinen Laptop aufklappe, meine Airpods verbinde, Musik laufen lasse (ich weiss dann immer ganz genau, welches Lied ich brauche. Ich habe den Song, zu dem dieser Beitrag entstanden ist, unten eingefügt), ein leeres Word-Dokument öffne und wie selbstverständlich anfange zu tippen. Erst langsam, und dann immer schneller. Als würden meine Hände sich erinnern. «Ach ja, so ging das ja!» Ich rege mich dann jeweils auf, wenn die Tippgeschwindigkeit meiner Finger nicht mithalten kann mit der Geschwindigkeit meiner Gedanken und ich immer wieder über die Tasten stolpere.

Jetzt wird also wieder geschrieben…!

Eine Woche nach meiner Vernissage bin ich in den Süden geflogen und habe in Oliva viel Sonne getankt, Muscheln gesammelt, gelesen und oft den Blick einfach aufs Meer hinausschweifen lassen und das Ewigkeitsblau in mich aufgesogen. Der Ozean gibt mir so viel Kraft, so viel Inspiration und gleichzeitig so viel Ruhe und Sicherheit. Die Zehen im Sand vergraben, den Wellen beim Kommen und Gehen zuschauen, beim Anspülen und Mitnehmen, dem Strand entlang spazieren, das beständige Rauschen der Brandung im Ohr. Ich weiss, wo ich hinmuss, wenn ich Kraft tanken will.
Nach den Herbstferien ging meine Reise mit zwei Lesungen weiter, eine in Schönbühl wo ich als Lehrerin unterrichte und eine in Frauenkappelen, meinem Heimatdorf – beide innerhalb einer Woche. Beide Male war mein Paps dabei und hat mich mit seiner wunderschönen Musik begleitet. Ich bin immer wieder und immer mehr der festen Überzeugung, dass die Musik es schafft, den Inhalt meiner Worte noch einmal näher an die Herzen der Zuhörer zu tragen. Es ist ein grosses Geschenk, dass ich diese Erfahrungen mit meinem Vater teilen darf.

Die Lesung in Schönbühl war daher sehr speziell, weil ich den Ort normalerweise mit einer ganz anderen Rolle verbinde. In Schönbühl bin ich vor allem «Frau Haussener» – Klassenlehrerin der 5a. Mittlerweile sind es auch schon acht Jahre, in denen ich nun doch bereits einige Schülerinnen und Schüler und mit ihnen ihre Eltern auf einem Wegstück begleitet habe. Deshalb war es umso schöner und berührender, an jenem Abend viele bekannte Gesichter von Kindern und Eltern aus meiner jetzigen und ehemaligen Klasse zu sehen.

Die Lesung im Dorfladen Frauenkappelen war etwas ganz Besonderes. Nur ein paar Schritte von meinem Elternhaus entfernt, dem Ort, wo ich aufgewachsen bin, meine ersten Geschichten geschrieben habe, meinem Zuhause. Ich durfte unglaublich viel Unterstützung und Anerkennung für mein Buch erleben. Viele der Besucher kannten mich schon seit ich ein Kind bin, wussten, dass ich schon immer geschrieben habe. Dass ich seit vielen Jahren davon gesprochen habe, dass ich mal Schriftstellerin werden möchte. Was für ein Gefühl, diesen Menschen nun mein Buch präsentieren zu dürfen! Man kann vieles sagen über das Dorfleben und gerade als Jugendliche fand auch ich es nicht immer nur toll, in einem Ort zu leben, wo jeder jeden kennt und die Leute oft mehr über einen wissen (oder zu wissen glauben), als einem lieb ist. Aber ich für meinen Teil liebe dieses Dorf und es wird immer mein Zuhause bleiben – und genau so hat es sich an diesem Abend auch angefühlt.

Es waren Tage und Wochen voller Glück und Stolz, gefüllt mit wunderschönen Begegnungen und Gesprächen. Es ist für mich noch immer kaum zu glauben, dass das alles real ist. Dass ich das erleben darf! Manchmal sitze ich einfach da, halte ein Exemplar meines Buches in den Händen und schüttle lächelnd den Kopf. Ich hoffe, dass ich genau dieses Gefühl noch ganz lange in mir tragen darf. Und dass ich es noch mit ganz vielen Menschen teilen darf.

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