Es ist April. Fast schon Ende April.
Etwas überrascht oder beinahe schockiert stelle ich fest, dass mein letzter Blogbeitrag schon wieder ziemlich lange her ist. Monate. Naja, eigentlich bin ich gar nicht so schockiert. Es ist tatsächlich schon eine Weile her, seit ich mich zuletzt hingesetzt habe mit der Absicht, einen Text zu schreiben. Das neue Jahr hat spannend und turbulent begonnen mit Elterngesprächen, zwei Lesungen und einer Kehlkopfentzündung irgendwo dazwischen, die mir mit nachdrücklicher Klarheit mitteilte, dass mal wieder etwas Schweigen angesagt wäre. Ich merke immer wieder, dass mein Beruf als Lehrerin mir in solchen intensiven Zeiten viel abverlangt und dann jeweils nicht mehr viel Raum für Kreativität und Inspiration bleibt. Die letzten Wochen waren aber Frühlingsferien und ich habe mir viel Zeit fürs Schreiben genommen.
Einige Tage habe ich mich sogar extra dafür in ein kleines «Schreib-Retreat» zurückgezogen. Ich habe mir ein hübsches AirBnB gesucht und bin abgetaucht – dafür musste ich gar nicht mal so weit weg, die Unterkunft lag ganz in der Nähe von einem meiner Lieblingsorte. Obwohl ich nur drei Tage weg war, fühlte es sich wie eine ganze Woche Ferien an. Ich habe viel geschrieben, gelesen, bin einfach am See gesessen und habe die Gedanken schweifen lassen, bin durch die aufblühenden Wälder gewandert und habe es mir so richtig gut gehen lassen. In dieser Zeit habe ich an meiner neuen Geschichte weitergeschrieben. Endlich hatte ich wieder einmal Zeit und Musse, die Story ihren Weg finden zu lassen, die Dialoge entstehen zu lassen. Natürlich ist es nicht so, dass sich ein Buch so ganz von allein schreibt. Etwas Planung ist natürlich nötig. Aber es brauchte einfach wieder einmal diese Möglichkeit, einzutauchen in meinen Text, meine Idee. Ich bin froh, habe ich mir diese Zeit genommen und werde das bestimmt in naher Zukunft wieder so planen.
Seit letzten Herbst «Alles, was das Leben ist» erschienen ist, haben sich mir immer wieder neue Herausforderungen gestellt, auf die ich gänzlich unvorbereitet war. Davon habe ich in diesem Blog schon einige Male erzählt. In den letzten Wochen kam etwas Neues dazu: Es fiel mir zunehmend schwer, mich online sinn- und gehaltvoll zu präsentieren. Was um Himmelswillen soll ich denn auf Instagram posten, mein letzter Beitrag ist schon zehn Tage her…? Ich habe Social Media Influencer immer ein wenig belächelt, wenn sie darüber geklagt haben, wie anstrengend es doch sei, guten Content bereitzustellen. Nun kann ich mir ein wenig besser vorstellen, worum es geht.
Etliche Male sass ich vor meinem iPhone oder meinem Laptop und wollte schreiben. Ich muss irgendwas posten, ich muss irgendwas produzieren. Aber mein Schreiben funktioniert nicht so. Hat es noch nie. Ich weiss, dass es Autorinnen und Autoren gibt, die wunderbar so arbeiten können, mit dem Druck, etwas abliefern zu müssen. Ich nicht. Ich habe nie geschrieben mit dem Ziel, meine Worte zu veröffentlichen. Ich habe immer geschrieben, mit dem Ziel, zu schreiben. Mehr nicht. Und daraus sind mitunter meine besten Texte entstanden. Also habe ich an einem Mittwoch im Februar beschlossen, dass ich zu meinen Anfängen zurückkehren muss. Habe mir mein ledernes Moleskine-Notizbuch und einen Kugelschreiber geschnappt und mich in ein Café gesetzt, Musik gehört und gewartet…
Zurück
zum Anfang
zurück dahin
hierhin
wo alles begann
mein Feld eins
hier verweilen
wo es nur mich gibt
und diese leeren Zeilen
die mich fragen:
«Was hast du zu sagen?»
Ich glaube, es ist wichtig, diesen Ursprung meines kreativen Schreibens nie zu vergessen. Ich schreibe schon mein ganzes Leben und es war nie der Drang nach Feedback, Likes, Views oder Verkäufen, der mich dazu gebracht hat, meine Gedanken und Gefühle aufs Papier zu bringen. Es war immer ein innerer Antrieb, nie ein äusserer. Und das soll auch so bleiben. Das muss ich mir bewahren. Und immer wieder mal darauf zurückkommen.
(…ich freue mich aber trotzdem immer noch wie ein kleines Kind über j e d e s verkaufte Buch. Just saying…!)


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