Es ist ein wunderschöner, warmer Sommerabend und ich sitze gerade auf meinem geliebten kleinen Balkon, mein sommerlich obligates Limoncello-Gläschen neben mir, und geniesse unter dem sich langsam verfärbenden Himmel das Ausklingen dieses Tages. Bald werden die Lämpchen der Lichterketten anfangen zu leuchten und auch die ersten Sterne am Himmel. Ich liebe dieses Gefühl, diese Ruhe. So fühlen sich für mich nur Sommerabende an.
Genau heute in einem Monat erscheint mein Buch. Es ist unglaublich, wie die Zeit vergeht. Manchmal scheint sie mir regelrecht durch die Finger zu rinnen. Dann fühlt es sich an, als müsste ich kurz die Luft anhalten, innehalten, um zu erfassen, was überhaupt alles passiert. Eigentlich ist das ein schönes Gefühl, zumindest, wenn die Tage mit viel Schönem gefüllt sind, aber manchmal macht es mir auch ein bisschen Angst. Als Kind konnte ich nie verstehen, wie die Erwachsenen sich immer darüber ausgelassen haben, dass die Zeit viel zu schnell vorbeigehe. Jetzt kenne ich dieses Gefühl. Ob das eine Alterserscheinung ist?
Trotzdem kann ich es natürlich kaum erwarten, dieses Buch endlich in meinen Händen zu halten und vor allem auch in den Händen von all den Menschen zu sehen, die es lesen werden. Ich bin so gespannt darauf, wie die Geschichte von Edward und Noah bei meinen Leserinnen und Lesern ankommt, wie es ihnen dabei ergeht, auf den knapp 160 Seiten die beiden in meinen Worten auf ihrer Reise zu begleiten. Ich habe bereits ein paarmal von meinen Zweifeln geschrieben, der Frage, ob mein Text wirklich «gut genug» sein würde, ob es überhaupt jemanden interessieren würde, ob ich einen Verlag finden würde… Wenn ich zurückschaue, bin ich durch diesen ganzen Prozess enorm gewachsen. Ich habe ein neues Selbstvertrauen gefunden, was mein Schreiben angeht, was diese Geschichte angeht. Natürlich wird es Menschen geben, die mit meinem Buch nicht viel anfangen können. Davon bin ich überzeugt. Ich bin aber mindestens genau so fest und noch mehr überzeugt davon, dass es viele geben wird, die sich mit offenem Herzen auf die Geschichte einlassen werden und die in meinen Worten etwas finden, das sie berührt. Diese Gewissheit zu spüren ist etwas, wofür ich sehr dankbar bin.
Bis zum sechsten September wird mir nicht langweilig. Ich werde mich weiterhin fleissig darum kümmern, mein Buch zu bewerben. Das ist übrigens etwas, das mir erstaunlicherweise ein bisschen schwerfällt. Ich poste zwar auf Social Media wie Instagram (zumindest auf meinem privaten Kanal) relativ viel und zeige auch emotionale Einblicke in mein Leben, aber Werbung zu machen für mein Buch empfinde ich als etwas sehr Ungewohntes. «Seht her, ich habe ein Buch geschrieben, kauft es!» – manchmal fühle ich mich da noch etwas unbeholfen, es ist eine neue Rolle für mich. Vielleicht liegt es aber auch einfach an der Tatsache, dass wir allgemein viel zu selten mit Stolz zeigen, was wir erreicht haben und Angst davor haben, überheblich zu wirken? Ich weiss es nicht. Aber ich lasse mir Zeit, mich in dieser Rolle zurechtzufinden und gehe meinen Weg.
Mit dem Buch selber habe ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts mehr zu tun – alle gestalterischen Entscheidungen wurden gefällt und vor einigen Tagen habe ich das «Gut zum Druck» gegeben. Nun gibt es quasi kein Zurück mehr und ich kann mich «nur» noch um die Dinge kümmern, auf die ich momentan aktiv Einfluss habe. Die Vorbereitung meiner Buchvernissage zum Beispiel. Darüber werde ich bestimmt in den nächsten Wochen noch mehr erzählen.
Die Luft kühlt langsam etwas ab, mein Limoncello-Gläschen ist leer. Die Lichterketten leuchten. Die ersten Sterne sind am Himmel erschienen, nur noch ein ganz sanftes Orange am Horizont zeugt vom vergangenen Tag.
Auf bald!


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