Dieser Blogbeitrag wird etwas länger. Einfach, weil es gerade sehr viel zu sagen gibt. Weil mein Herz so voll ist, dass es aus allen Nähten platzt und sich die vielen schönen Gefühle entweder in Form von einem Lächeln oder Tränen ihre Bahn brechen. Also wird es Zeit, zu schreiben.
Ich habe euch hier über mehrere Wochen und Monate auf meine Reise mitgenommen. Habe euch erzählt, wie ich zum ersten Mal über die Schwelle der Büchereule getreten bin, wie ich den Vertrag mit dem Neptun Verlag unterschrieben habe, was alles passiert ist in der Zeit danach, was ich alles lernen durfte und welche Herausforderungen sich mir gestellt haben. Ich habe meine Vorfreude mit euch geteilt, meine Zweifel, den ganzen Prozess vom rohen Manuskript zum fertigen Buch. Und nun…
Ich habe fast ein Jahr lang auf diesen Tag gewartet. Der Erscheinungstermin meines ersten Buches. Ich schreibe immer bewusst mein erstes Buch, weil die Aussage so ein bisschen ein Fingerzeig in die Zukunft sein soll… hoffentlich!
Am Dienstagabend vor dem Erscheinungstermin klingelte mein Telefon. Als ich den Namen auf dem Display sah, wusste ich sofort, worum es ging. «Die Bücher sind da!», verkündete Herr Wild fröhlich und ich machte den ersten von vielen übermütigen Hüpfern. Am Donnerstag dann habe ich mir den Nachmittag frei genommen (Merci Sabrina!) und bin durch den herbstlichen Nieselregen mit klopfendem Herzen in die Stadt gefahren. Kurz nach 14 Uhr habe ich mein Buch dann also das erste Mal in den Händen halten dürfen. Zum Glück war Herr Wild gerade noch in ein Telefongespräch vertieft, so hatte ich einen Moment, um mich wieder zu sammeln, denn um ehrlich zu sein, wäre ich am liebsten raus auf die Gassen gesprungen und hätte vor Freude getanzt und allen mein Buch unter die Nase gehalten. Es war wunderschön! Der Einband, das Papier, die Farben – ich bin in meinen einunddreissig Lebensjahren noch nie auf etwas stolzer gewesen als auf dieses Buch.
Der Tag kam. Es war eigentlich ein gewöhnlicher Freitag, aber nicht für mich. Als ich an dem Morgen aus dem Haus ging und an den Bauarbeitern vorbeifuhr, die mich nach monatelanger Arbeit direkt vor meiner Haustür mittlerweile grüssen, als wären wir alte Freunde, wollte ich die Scheibe runterkurbeln und rufen: «HEUTE! HEUTE KOMMT MEIN BUCH!» Ich drehte das Autoradio voll auf, sang lauthals mit bei «You win again» von den Bee Gees, das passenderweise gerade anlief und brauste in meiner Euphorie ein bisschen zu schnell in die Schule. Den ganzen Tag grinste ich vor mich hin und nichts und niemand konnte meine Laune trüben. Meine Eltern holten sich noch an diesem Abend ihr erstes Exemplar.
Am Samstag kamen dann tatsächlich auch bereits die ersten bestellten Bücher bei meinen Leserinnen und Leser an. Ich sass gerade mit meiner Herzensfreundin an einem meiner Lieblingsorte am Wohlensee auf meiner Picknickdecke und genoss die unerwartet warmen Spätsommer- oder Frühherbst-Sonnenstrahlen, als dann auf einmal mein Handy summte und ich ein Bild zugeschickt bekam vom Orell Füssli in Bern. Mein Buch. Da. Auf einem der Tische. Drei Exemplare! Meine liebe Freundin schaute mich vielsagend an und meinte sogleich: «Komm, das müssen wir uns ansehen!» Wir haben unsere Sachen gepackt, sind mit ihrem kleinen Quadrätchen von Auto in die Stadt geflitzt und mit grossen Schritten Richtung Orell Füssli geprescht. Ich betrat den Laden, hielt den Atem an, sah mich um, links, dann rechts, und dann sah ich es. Wie oft hatte ich mir diesen Augenblick wohl in meinem Leben schon ausgemalt? Es lag da, zwischen anderen Werken von Schweizer Autoren, so als wäre das schon immer sein vorbestimmter Platz gewesen! Die junge Buchhändlerin lächelte hinter ihrem Bildschirm in sich hinein, als sie mich beobachtete, wie ich wie ein junges Reh vor Freude durch den Laden hüpfte und meine Freundin tausendmal umarmte.
In den folgenden Tagen bekam ich immer wieder Bilder von den verschiedensten Menschen, die das Buch bestellt oder gekauft hatten. Ich durfte so bei vielen «ersten Begegnungen» dabei sein und mich jedes Mal mitfreuen.
Eine Woche nach dem Erscheinungstermin stand dann meine Buchvernissage an. Ich war und bin immer noch überwältigt, wie viele Menschen aus den unterschiedlichsten Ecken meines Lebens an diesem Abend da waren und dieses einzigartige Erlebnis mit mir geteilt haben. Allen voran meine Familie. Meine Familie, die mich in meinem ganzen Tun mitträgt, mich unterstützt, für mich da ist. Ihr seid meine Heimat, die Pfeiler meines Lebens. Nichts von alldem wäre ohne euch möglich gewesen.
Es kamen gute Freunde, Lieblingsmenschen, Arbeitskollegen, Tanten und Cousinen, mein Gotti. Ehemalige Schülerinnen mit ihren Eltern, mein Lehrer, eine liebe Bekanntschaft vom Orell Füssli am Bahnhof. Bekannte, ein paar unbekannte Gesichter. Ich war so, so aufgeregt! Aber die Aufregung fiel wie ein schwerer Umhang von mir ab, als ich begann zu lesen. Ich wusste auf einmal mit Gewissheit, dass gar nichts schiefgehen konnte. Ich spürte so deutlich, dass all diese guten Menschen da waren, um mich zu unterstützen, mit mir mein Herzenswerk zu feiern. Viele von ihnen haben mir das im Vorfeld schon gesagt, im Versuch mir die Nervosität zu nehmen, aber wie bereits bei der Veröffentlichung des Manuskripts ging es auch hier darum, meine eigene innere Überzeugung zu finden. Ihr habt mir sehr dabei geholfen. Es war ein magischer Abend, die sanften Saxophonklänge meines Vaters haben das ihrige dazu beigetragen.
Ich lag in dieser Nacht bis weit nach Mitternacht hellwach und glückstrunken in meinem Bett und badete innerlich auch in den Tagen danach und bis jetzt immer wieder in diesen wunderschönen Erinnerungen. Ich empfinde eine unendliche Dankbarkeit, wenn ich an all diese besonderen Momente des Glücks dieser zwei Wochen zurückdenke. All die lieben Nachrichten, die ich erhalten habe, die Gratulationen, die Wertschätzung für mein Werk, Umarmungen, Mitfreude, die ehrlich von Herzen kommt. Ich danke euch allen. Alles, was jetzt noch kommt, ist einfach noch Zuckersträusel auf dieses Kapitel meines Lebens.
Ich habe wenig geschlafen die letzten Wochen. Bin oft wach gelegen mit so viel Freude und Aufregung und Glück im Herzen, dass ich unmöglich schlafen konnte. Und in diesen Nächten schien es fast so, als würde mein Stern am Nachthimmel noch ein bisschen heller leuchten. Ich weiss, du bist da und freust dich mit mir.


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